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Vis à Vis | Ausgabe 54 | Mai & Juni 2024

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Zwei Zwillingsschwestern

Zwei Zwillingsschwestern vom Wörthsee, die beide bei den Olympischen Spielen gegen den Rest der Welt antreten wollen. Um diese Sportsensation wahr werden zu lassen, arbeiten Sophie und Theresa Steinlein seit vielen Monaten ohne Unterlass. Was nach easy Jet-Set- Leben klingt - 200 Tage im Jahr am Gardasee leben, auf den Kanaren überwintern und schon als Jugendliche immer wieder in Europa, Australien und USA unterwegs gewesen zu sein, statt die Schulbank zu drücken-, ist für die 22-jährigen Weltklasse-Sportlerinnen oft herausfordernd und teilweise wenig glamourös. So ist neben eiserner Trainingsdisziplin nicht zuletzt der ständige Kampf ums Gewicht strapaziös - die 1,63 Meter kleinen Athletinnen müssen „ständig essen, schrecklich!“, um von ihren ursprünglich 54 Kilo an die über 70 ihrer Konkurrentinnen heranzukommen. Wasseraffine Familie Dennoch verfolgen die Seglerin (Sophie) und die Windsurferin (Theresa) unbeirrbar und zielstrebig ihr Ziel: sich im 49erFX Segelboot, bzw. auf dem iQFOiL95 für die 33. Olympischen Spiele zu qualifizieren, die vom 26. Juli bis 11. August in Paris sowie in Marseille stattfinden. Talent verpflichtet! Und Tradition nicht minder. Stammen die Zwillinge doch aus einer hochgradig wassersportverrückten Familie. Während Mutter Steffi auf eine erfolgreiche Segelkarriere zurückblickt, gehörte Vater Markus in den 80er- und 90er-Jahren zu den führenden Raceboard-Cuppern in der Surf-Bundesliga. Auch die jüngeren Schwestern Franziska (19) und Valentina (18) gelten als Nachwuchshoffnungen im deutschen Segelsport. Theresa ist eine Queen auf dem Wasser. Mit Papa über den See gedonnert „Schon mit fünf Jahren sind wir mit unserem Vater auf dem Surfbrett Vollgas über den See gedonnert“, erinnert sich Sophie. Mit sieben segelten die Schwestern im Optimisten. Kurze Zeit später fahren die Steinlein-Mädels ihren Konkurrenten bei nationalen und internationalen Jugendmeisterschaften davon. Wobei sie nie im selben (Segel-)Boot sitzen, weil einfach beide als Steuerfrauen am Ruder sind. „Im Training haben wir uns fertig gemacht“, erzählt Theresa, „aber bei den Regatten immer zusammengehalten.“ Die Verbindung des Videotelefonats ist nicht ideal, sitzt die junge Frau 8

doch im Zug vom Gardasee nach München. Nur wenige Tage zuvor hatte sie an der andalusischen Atlantikküste eine Glanzleistung abgeliefert. Nachdem die Wörthseeerin bei der WM in Lanzarote im Januar bereits das begehrte Nationenticket (also die Olympia- Qualifizierung für Deutschland) lösen konnte, sammelte sie bei den iQFOiL Games in Cádiz mit einem 2. Platz wichtige Punkte, um sich selbst für Marseille zu qualifizieren. „Als ich gehört hab, dass Theresa es trotz hoher Wellen, starker Winde und Starkregen geschafft hat, war ich total released“, sagt Sophie, die bereits im Elternhaus in Walchstadt auf ihren Zwilling wartet. Nur ein paar Tage haben die Schwestern zum Verschnaufen am Wörthsee, bevor sie sich in Mallorca wiedersehen, beim Trofeo Princesa Sofía, der letzten Chance auf eine Olympia-Quali. Neid ist ihnen fremd. Selbst wenn es Sophie dieses Mal nicht zu den Sommerspielen schaffen sollte, sondern nur Theresa, wäre das okay. Nicht nur, weil bereits 2028 die nächsten Spiele in Los Angeles locken, sondern auch, weil es mit dem Sail Grand Prix oder dem Youth and Women‘s Americas Cup noch andere spannende Regatten auf Weltklasseniveau gibt, für die Sophie trainiert. Trotz des Heimwehs, das sie manchmal überkommt, trotz der Herausforderung, über die Distanz Freundschaften oder eine Liebesbeziehung am Laufen zu halten, während man von Wettkampf zu Wettkampf tourt. „Eigentlich hatte meine Schwester damit angefangen und es war Sophies Ding, darum war für mich klar, ich mach das nicht“, erinnert sich Theresa. Doch seitdem sie das erste Mal mit dem iQ- FOiL über den Gardasee geglitten ist, wusste sie, das und nichts anderes ist ihre Disziplin. Und: „Nur so konnten wir zwei versuchen, uns für Olympia zu qualifizieren, ohne Konkurrentinnen zu werden.“ Kurz vor Redaktionsschluss erreichte uns die Nachricht, dass Theresa sich auf Mallorca für die Olympischen Sommerspiele qualifizieren konnte, Sophie indes hat die Qualifikation verloren. Susanne Böllert Surfen und Studium unter einen Hut bringen Bei aller Hingabe an den Wassersport schmieden die Steinlein- Zwillinge, die beide im Olympic Team des Norddeutschen Regattavereins sind, einen Plan B. Während Sophie in Innsbruck Architektur studiert, fehlen Theresa noch ein paar Scheine und die Abschlussarbeit für ihren Wirtschafts-Bachelor in Rom. Derzeit ist die Sportsoldatin indes voll aufs Windsurfen fokussiert. Kaum zu glauben, dass sie erst vor drei Jahren das Segelboot gegen das mit acht Metern haushohe Segel ihres iQFOiLs eingetauscht hat. Was dieses Surfbrett so ungeheuer schnell macht, ist der dynamische Auftrieb des Tragflügels. Dieses Hydrofoil lässt den Surfer fast kontaktlos übers Wasser schnellen. Hübsch wie schnell auf dem Wasser: die Steinlein-Schwestern aus Wörthsee. Sophie (l.) und Theresa. 9

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